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Freitag, 10. September: Chinaclub Berlin
Cranachstraße 1 (Laden), am S-Bahnhof Friedenau
18:00-19:00 (Vorderer Raum)
Hu Yitian: Einführung in die chinesische Tuschemalerei (I)
(zunächst vorgesehen: 4x 1 Stunde. Teilnehmergebühr für die 4 Sitzungen: 12 Euro)
Papier, Pinsel und Tusche sind gesondert zu erwerben (z.B. beim Kursleiter Hu Yitian).
18:30-19:00 (Hinterer Raum)
Taijiquan: Vereinfachte Yang-Form in 24 Figuren, im Westen auch "Peking-Form" genannt.
19:00 Uhr: Chinesischer Filmclub
Vorderer Raum
Lan Mie Ji (The Warrior and the Wolf). Von Tian Zhuangzhuang, China 2009. 100 min, Chinesisch mit englischen UT.
Der neueste Film von Tian Zhuangzhuang, der neben Zhang Yimou und Chen Kaige einer der großen Regisseure der 5. Generation ist. Und wieder einmal macht er seinem Ruf als "schwieriger" Regisseur Ehre.
Dem äußeren Anschein nach folgt er dem Trend, wie ihn Zhang Yimou mit "Yingxiong" ("Hero") und Chen Kaige mit "Wu Ji" ("The Promise") vorgaben: Zurück in die Vergangenheit! Hier ist es gleich die Zeit des Qinshi Huangdi, vor über 2000 Jahren. Es beginnt mit Armeen, Soldaten, Gefechten, aber schnell zeigt sich, dass den Regisseur weder die historische Situation noch die Kämpfe wirklich interessieren. Sie dienen ihm lediglich dazu, einen Heerführer in das Gebiet unbekannter Barbaren vordringen zu lassen . . . dann erst beginnt die eigentliche Geschichte.
Der Truppführer macht in einem höhlenartigen Unterstand Quartier, wo er auf eine verborgen lebende Frau trifft. Erst schickt er sie weg, und als sie nicht geht, vergewaltigt er sie. In der Folge entwickelt sich zwischen beiden eine leidenschaftliche Beziehung, deren Höhepunkt das Geständnis der Frau bildet: der Stamm, dem sie angehört, sei verflucht. Was für ein Fluch? Dies: sexuelle Beziehungen zwischen Stammesmitgliedern und Außenstehenden würden bewirken, dass beide zu Wölfen werden. - Erst lacht der Krieger darüber. Aber dann färbt die Überzeugung der Frau auch auf ihn ab.
So weit so gut . . . und was ist mit dem Zuschauer? Soll er das mit der Wolfswerdung glauben? Eine Art chinesische Werwolf-Story, einzuordnen in die Kategorie "Phantasy"? Aber warum?
Genau das ist das Problem: Was will uns der Regisseur damit sagen? Sollen wir den Mythos ernst und wörtlich nehmen? Oder bloß als Märchen? Oder gibt es da etwas Übertragenes, etwa in dem Sinn, dass eine wahrhaft leidenschaftliche Beziehung die beiden Partner in Wölfe verwandeln würde? Nein, dafür sind die Wölfe in dem Film zu handgreiflich (auch wenn sie von nahem eher wie deutsche Schäferhunde aussehen). Also ein verstörender, irritierender Film (wie immer bei Tian Zhuangzhuang mit grandiosen Bildern in kargen Landschaften), auf den sich jeder seinen Reim machen muss.
Hinterer Raum (ebenfalls 19:00 Uhr)
XIANG SI ZHAI (Debt of Love Sickness). Von Hu Xinling, China 1948. SW, 102 min, Chinesisch mit englischen UT.
Eigentlich ein unglaublicher Film. Gedreht 1948, also in der heißesten Bürgerkriegszeit. Und was davon spiegelt sich in dem Film? Nichts. Zwar gibt es in der Vorgeschichte, die in einer kurzen Rückblende erzählt wird, eine Aktion gegen die Japaner, die dazu führt, dass der Held gefoltert wird. Aber damit hat es sich auch schon. Weder fällt das Wort "Guomindang", noch gibt es irgendwo eine "Kommunistische Partei". Stattdessen ein psychologisches Kammerspiel a la Strindberg.
Luo Jiefu, dessen Frau vor 17 Jahren auf unbekannte Weise ums Leben kam, lebt mit Xuelan zusammen, die er "Meimei" nennt, also "Jüngere Schwster". Die ist jetzt 21 Jahre alt, besucht eine Universität und schließt erste Freundschaft. Eines Tages erhält sie anonyme Drohbriefe. Luo Jiefu bittet ihren Freund zu sich und verlangt von ihm unter Berufung auf diese Drohbriefe, Xuelan nicht mehr zu besuchen. Auch einen alten Diener, der schon seit Jahrzehnten der Familie dient, schickt er weg. Dasselbe will er mit einem alten Freund machen, der zu Besuch kommt. Der aber enthüllt der angeblichen "Schwester", was wirklich damals geschehen ist, und wie Jiefus Frau ums Leben kam: als Opfer von Jiefus wahnsinniger Eifersucht.
Wie gesagt: ein rein psychologischer, expressionistisch angehauchter Film, wie er ähnlich auch in den USA oder in Europa hätte gedreht werden können. Ein Film, dem man anmerkt, welche Entwicklung der chinesische Film hätte nehmen können, wenn diese nicht 1949 abrupt abgewürgt worden wäre. Dass die spannendsten Geschichten nicht in der Umgebung der Menschen passieren, sondern in ihnen selber, mussten Chinas Filmemacher 30 Jahre später erst wieder mühsam lernen. Kein Wunder, dass viele chinesische Bücher zur Filmgeschichte (wie das "Große Wörterbuch des chinesischen Films" von 1995) diesen Film nur am Rande erwähnen oder ganz verschweigen.
Ab 18 Uhr (und nach den Filmen):
Gespräche, Diskussionen, Tischtennis, Billard, Chinaschach
Außerdem: Buchtausch
Haben Sie Bücher, die Sie nicht mehr brauchen? Bringen Sie sie mit und tauschen Sie!
Unkostenbeitrag: 3 Euro
Studenten & Arbeitslose: 1,50 Euro
Chinesische Gäste: 5 Yuan Renminbi / 5 Gangbi / 20 TWD
Wie immer gibt es dazu Tee & Chips.
Mit herzlichem Gruß
Dr. Hanjo Lehmann
Tel. 0175 - 644 9006
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